Geschichte : Brief an meine Mutter

Brief an meine Mutter

EUR 7,50


Waris Dirie hat noch etwas zu erledigen. Das große Ziel der „Wüstenblume“ ist bereits erreicht. Die Geschichte ihrer Flucht, die Sensibilisierung und Anprangerung der unsäglichen Praxis der Genitalverstümmelung, all dies hat die Somalierin als Vorkämpferin gegen die unhaltbaren Zustände in ihrer Heimat bekanntgemacht. Waris Dirie ist im Westen angekommen, sie machte als Model Karriere und befindet sich heute – wie die Prominentenbildstrecke im Buchinnern aufzeigt – auf Augenhöhe mit den Großen dieser Welt. Nur eines gelang ihr nicht: Die Liebe und das Verständnis der eigenen traditionsverhafteten Mutter, einer strenggläubigen Muslima, zu gewinnen, die den Werdegang und das Verhalten der Tochter zutiefst missbilligt. Waris Diries vielleicht schwierigste Überzeugungsarbeit! Spätestens seit Kafkas “Brief an den Vater” weiß man um die psychologische Überhitzung, die gerade unter einander nahestehenden Menschen zu regelrechten Entladungen führen kann. Alles begann im Herbst 2005, als Waris Dirie ihre lebensbedrohlich erkrankte Mutter aus Somalia zu sich nach Wien holte. Schon nach wenigen gemeinsamen Tagen reißen die alten Gräben wieder auf. Die Mutter, westlichen Gepflogenheiten gegenüber misstrauisch und verschlossen, empfindet den Lebenswandel der Tochter als nichtswürdigen Verrat an Heimat und Tradition. Während Waris um ein wenig mütterlichen Stolz für ihr Lebenswerk förmlich bettelt, empfindet diese nichts als Scham und Verachtung für die fremdgewordene Tochter. Wo das Gespräch versiegte, half nur noch die Briefform. Wie fühlt es sich an zu wissen, dass die eigene Mutter immer noch regen Kontakt zu jener Frau pflegt, die Waris Dirie einst als Kind beschnitten hatte? Schlimme Fragen, die eine Antwort suchen. Außerhalb des Briefkonvoluts recycelt die Autorin noch einmal die Thematik ihrer früheren Bücher. Berichtet über die Schattenseiten ihrer Modelkarriere und die heutigen magersüchtigen Models, die für jeden hungernden Afrikaner einen Schlag ins Gesicht bedeuten müssen. Hadert mit ihrem ganz persönlichen Teufel, dem „bad water“. Und leistet unermüdliche Missionarsarbeit, den Graben zwischen Tradition und Fortschritt am Beispiel der Mutter langsam wieder zuwachsen zu lassen. --Ravi Unger

Sehr emozionales Buch - Habe bisher alle Bücher von Waris Dirie gelesen.Dieses hier fand ich am emotionalsten.Wahrscheinlich weil es sehr zu Herzen geht wie die Mutter sich ihr gegenüber verhält.Wie sie um deren Liebe und Anerkennung kämpft.Definitiv kein Buch zur leichten Unterhaltung,aber sehr lesenswert weil es Waris sehr liebenswert macht.

Für Waris-Neulinge: sehr lesenswert, fesselnd, bewegend - Endlich mal wieder ein Buch, daß mich fesselt. Nach Dschungelkind von Sabine Kuegler werde ich von Waris gepackt und geführt, in Ihr Leben, in Ihre Gegenwart. Werde all dem nah und berührt.Leider ahne ich, weshalb Sie im Westen dem Alkohol verfällt: Der fortwährende Kampf gegen FGM und die Konfrontation mit ihrem Trauma, lassen Sie die eigene Verbundenheit und Liation mit der Mutterkultur unterschätzen und führen zu einem schwer ertragbarem seelischen Spagat. Nur mit Sport Abstand zu finden? Hoffentlich. Sprituell unterstützt wäre der Ausstieg, denke ich, nachhaltiger.

Musste dieses Buch wirklich sein? - Vorneweg, ich bewundere Waris Dirie für ihren Mut und ihr Engagement gegen die weibliche Genitalverstümmelung, aber hier geht es darum ihr neuestes Buch Brief an meine Mutter zu bewerten und man muss leider sagen, das war nichts. Brief an meine Mutter bringt kaum neue Erkenntnisse über das Leben Diries, was auch daran liegt, dass vieles bereits in ihren drei vorherigen Büchern beschrieben wurde. Vielmehr handelt es sich dabei um einen Konflikt zwischen Mutter und Tochter. Nur ist das für den Leser nicht wirklich interessant. Zudem wiederholt sich vieles in Brief an meine Mutter und so fragt man sich schon zur Hälfte, ob dieses Buch wirklich sein musste.

Tolles Buch! - Super Buch. Sehr ergreifend.Bin normal keine Leseratte, dieses Buch jedochkonnte ich nicht mehr aus der Hand legen.

Offenes und mutiges Selbstporträt - Nun gibt es also ein neues Buch von Waris Dirie, vielleicht sogar ihr persönlichstes. Waris ist vor einem Stalker nach Wien geflohen und hofft, dort endlich eine Heimat und ihren Frieden zu finden. Da erfährt sie von ihrem Bruder, dass es ihrer Mutter sehr schlecht geht, diese leidet unter schrecklichen Bauchkrämpfen und kann zu Hause in Somalia nicht behandelt werden. Sofort setzt Waris alle Hebel in Bewegung, um die Mutter nach Wien zu den dortigen medizinischen Kapazitäten zu holen.Waris hofft, sich in dieser Zeit mit ihrer Mutter aussprechen zu können, aber es kommt nur zu fruchtlosem Streit, denn keine kann die Welt der anderen akzeptieren. Nach der Abreise der Mutter beginnt Waris, in ein tiefes Loch fallend, mit einem Brief an ihre Mutter, der im Buch alternierend mit einer Nacherzählung der Geschichte um den Wien-Besuch der Mutter, dessen Vorgeschichte und Folgen erscheint.Die unmögliche Verständigung zwischen der fest in der somalisch-islamischen Tradition verhafteten Mutter und der zum Teil europäisierten, wenn auch im Herzen afrikanischen Tochter ist nur ein, wenn auch das zentrale Thema dieses Buchs. Ein weiteres Thema bildet Waris Diries Kampf gegen die Verstümmelung der weiblichen Genitalien. Sucht ist ein anderer Aspekt des Buchs, Sucht, ohne die sich der Erfolg in der Glitzerwelt kaum halten lässt. Wie sonst auch, geht Waris damit sehr schonungslos und aufrichtig um, wozu viel Mut gehört. Als viertes Thema greift Waris das Problem Stalking auf, das sich offensichtlich immer weiter verbreitet, und das erst allmählich auch von der Politik ernst genommen wird.Schriebe Waris weniger intensiv, authentisch und von echter Verzweiflung getrieben, so könnte man ihr Buch als sentimental, womöglich rührselig bezeichnen, solche Attribute passen aber nicht zu dieser Kämpferin mit Herz, Löwenmut und Verstand, die sich unverbrüchlich ihren ehrgeizigen Ziel verschrieben hat. Ihr ist viel Erfolg zu wünschen - und viele Leser für ihr Buch.




Brief an meine Mutter