Geschichte : Hitler. Eine Biographie

Hitler. Eine Biographie

EUR 14,95


Wenn eine biografische Studie über Adolf Hitler 30 Jahre nach ihrem ersten Erscheinen zum wiederholten Male neu aufgelegt wird, dann muss das gute Gründe haben. Und die hat es in der Tat! Denn trotz der vereinzelt vorgetragenen Kritik, die von Joachim Fest verfolgte biografische Methode sei überholt, und trotz der Tatsache, dass in der historischen Forschung zu Hitler längst neue Meilensteine gesetzt worden sind (namentlich etwa mit der zweibändigen Biografie von Ian Kershaw): Fests Arbeit ist neben der von Alan Bullock in mancherlei Hinsicht bis heute state of the art. Und das gilt nicht nur für die für das Genre ungewöhnliche literarische Qualität. Es gilt vielmehr auch für die Frage, welche persönlichen, gesellschaftlichen und historischen Ursachen hinter dem retrospektiv immer unverständlicher erscheinenden Aufstieg Hitlers wirksam waren. Anders als Kershaw, in dessen Hitler-Biografie der Protagonist am Ende gleichsam als Ergebnis und Sprachrohr der allenthalben waltenden sozialen Energie erscheint und als Person beinahe aus dem Blick gerät, bleibt Fest bei seiner Darstellung stets eng bei der Person Hitler. Dabei verliert er die soziohistorischen Gründe für die Möglichkeit von dessen Erfolg nicht aus den Augen. Im Gegenteil: Immer wieder zeigt der Autor, wie sehr einzelne Fassetten der Pathologie des Diktators mit konkreten wie diffusen Bedürfnissen, Gefühlen und Ressentiments anderer Einzelner ebenso wie der Masse korrespondierten. Auch Fests Hitler-Biografie liefert nur einen Mosaikstein -- immerhin aber einen sehr wichtigen -- für das immer noch längst nicht vollständige historisch- und sozialbiografische Bild, das wir uns von dem Phänomen Hitler und all dem, was damit zusammen hängt, machen müssen. Und dieses Bild müssen wir uns nicht nur machen, um die Vergangenheit zu begreifen, sondern auch, um unsere Gegenwart besser zu verstehen. Denn wenn Fest mit seinem Buch eines deutlich gemacht hat, dann dies: Hitler markiert nicht nur das Ende einer Epoche, er steht vielmehr auch am Anfang unserer Gegenwart, die ohne die Kenntnis der hier dargestellten Geschichte nicht verstanden werden kann, wie der Autor im Vorwort schreibt -- auch wenn diese Geschichte, was ihren Hauptdarsteller anbelangt, den größten Schrecken aus dessen primitiv-monströser Trivialität bezieht, wie das vielleicht beste Kapitel Blick auf eine Unperson eindrucksvoll und bis heute unüberholt belegt. --Andreas Vierecke

Wunderbar zu lesen - toller Stil - atemberaubende Erkenntnisse - Wer sich mit Hitler und dem Nationalsozialismus beschäftigt, kommt um Joachim C. Fest nicht herum. Das Werk mag umstritten sein, es ist und bleibt ein Standard auf höchstem fachlichem Niveau. Die oft gestellte Frage nach dem Wie konnte so etwas passieren? beantwortet Joachim Fest tiefgründig und schlüssig - erspart dem Leser aber banale Erklärungsversuche sowie das Herunter(er)zählen von Daten und Fakten.Der Autor geht vielmehr in die Person, in die Zeit hinein, spürt Motivationen und Triebfedern auf, zeichnet hervorragend das dumpfe Bild des jungen Hitler in Wien (aber neuer und besser bei Brigitte Hamann in Hitlers Wien - Lehrjahre eines Diktators), die stürmische Zeit des Partei-Aufbaues und den Verfall des Diktators und seines Reiches. Wir erleben anhand von Augenzeugen Hitler beinahe hautnah mit - seine Überzeugungskraft, seine Wirkung auf Menschen - sogar noch im Bunker, als schon die russischen Mörser donnern.Das Erfolgsrezept dieses Buches ist, dass es das breit herausgearbeitete Psychogramm Hitlers mit dem der Zeit und seiner Menschen verwebt. So wird verständlich, wie gegenseitige Beeinflussung zwischen Agitator und Menschenmasse möglich und fruchtbar wird. Hitler war ein Kind des 19. Jahrhunderts - und dieses endete auch erst mit ihm. Laut Fest war den Menschen der Zwischenkriegszeit bewußt, dass sie an oder in einer Zeitenwende leben. Hitler war zwar eine verspätete Natur, aber das Produkt seiner Zeit.Es fehlt der Platz für eine noch so kurze Inhaltsangabe, doch muss ich pars pro toto einige wenige Themen herausheben: H.s gutes Verhältnis zur Kirche, die Feigheit und der Defätismus Frankreichs als wesentliches Mit-Motiv für zwei Weltkriege, das gar nicht so gute Verhältnis der Diktatoren Hitler und Mussolini, begann H. wider besseres Wissen den Russlandfeldzug?, Hitler hat die Partei gemacht, die Linie vorgegeben - er hat von allen Verbrechen gewußt und sie gutgeheißen!Sicher wird die Shoah knapp behandelt - sie ist aber nicht das Thema! Das Thema ist der Rassenwahn, und der kommt auf jeder Seite vor!Die Sprache! Die ist wunderbar. Erfrischend. Brilliant. Fesselnd. Es finden sich Formulierungen, die sind zum Niederknieen. Nicht nur deswegen ist das Buch nicht zu dick! Es ist beinahe spannend zu lesen (und ich las es bereits zum drittenmal gerne), sogar die Anmerkungen sind die Lektüre wert.

Ein nobelpreiswürdiges Werk - Ein nicht nur hervorragendes, ein wirklich erstaunliches Werk, sowohl von der Faktenfülle, die Fest ausbreitet, auch von der Gedankentiefe seiner Überlegungen und der Sprachgewalt seiner Darstellung. Ganz unabhängig von der Frage, ob alle seiner Analysen zutreffen oder einzelne vielleicht von der Forschung überholt werden: Fests Buch gehört für mich zu den Meisterwerken nicht nur der Historiographie, sondern der deutschen Literatur überhaupt. Mommsen erhielt für seine Römische Geschichte einst den Literatur-Nobelpreis, auch bei Fest wäre er besser aufgehoben gewesen als bei manch anderem deutschsprachigen Autor der Nachkriegszeit...

Joachim C. Fest: Hitler - Von der wissenschaftlichen Methodik überholt, von sprachlicher Schärfe und Stilistik nahezu unerreicht: Fests Hitler-Biographie erklärt zielstrebig Hitlers Weg.Frank Schirrmacher bezeichnete ihn nach seinem Tod im September 2006 als einen der größten Stilisten der deutschen Sprache. Für den Spiegel war er der stolze Einzelgänger, und für mich ist es die Faszination der Worte, die Faszination der Dynamik, die das Lesen eines Fest-Buches in sich trägt.Fests Hitler-Biographie räumte 1973 auf mit der Dämonisierung Hitlers und erklärt heute, 35 Jahre später, in eindrucksvoller und klarer Weise, wie es der Berufs-Dilettant Hitler schaffte, die Erde in Brand zu setzen. Hitler war kein Teufel im biblischen Sinne. Hitler war ein verbrecherisches und menschenverachtendes Produkt seiner Zeit und sollte in diesem Kontext zukünftig verstanden werden. Es ist erstaunlich mit welcher sprachlichen Eleganz, Fest, dieses leidvolle Thema überragend meistert.

schwere Kost für schweres Thema - Wie kann man einem solchen Buch sich am besten nähern ? Unbefangen - nur ist das gar nicht möglich. Es wird jeder Leser eine Meinung zum Thema Hitler (und seine Verbrechen) haben. Und jene Leser ohne Meinung werden sicherlich nicht zu diesem Buch greifen. Da es eine Biographie ist, wird natürlich versucht, die Sichtweise des Führers zu verstehen und zu erläutern. Das ist aber umso schwieriger, da es persönliche Notizen von ihm so gut wie nicht gibt, er keinen Freundeskreis hatte und auch nicht im Nürnberger Kriegsverbrechertribunal vernommen werden konnte.Es ist trotz Vorkenntnissen eine stellenweise schwere Kost. Für mich gibt es zu viele Stellen, in denen sich der Autor in zu ausschweifender Weise ausläßt. Gleichzeitig wird für mein Empfinden die Kriegszeit zu oberflächlich erläutert, während die Anfangsjahre und die Machtergreifung teilweise zu zäh ausgeführt werden.Für ein tiefergehendes Verständnis zur Person Hitler ist dieses Buch sicherlich mit die beste Wahl. Ähnliche Qualität gibt es noch in Ian Kershaws Biographie über Hitler. Weitergehende Informationen aus persönlichem Umfeld und Dunstkreis sowie zum Dritten Reich und Kriegsverlauf a la Guido Knopp sind für den Leser empfehlenswert.

Geteilte Meinungen? - Warum sollte ich 1100 Seiten lesen? Gibt es keine Kurzfassung? Nein, wenn man diese Zeit verstehen will - vor allem jemand, der diese Zeit nicht selbst miterlebt hat - muss man dieses Buch lesen. Vor allem die berühmten 68er, die nach Antworten suchten: hier stehen sie! Ich gebe allen Kommentatoren recht, die dieses Buch loben. Wie gut dieses Buch jedoch ist, wird deutlich, wenn man eine ablehnende Rezension liest, wie die von Rezensentin/Rezensent: Wenn dieses Buch in der Lage ist, das Lebensgefühl der damaligen Zeit wieder wach werden zu lassen, dann ist das nur ein Beleg für die Glaubwürdigkeit und Authentizität dieses Buches, das - vor 34 Jahren - genau zur rechten Zeit erschienen ist. Und es ist auch nicht widerlegt durch neuere Bücher, die bestimmte Details - z.B. aus dem Jahr 1945 - weiter beleuchten:- über die fürchterlichen Waffen und Todesstrahlen, von denen im März 45 im Bunker der Reichskanzlei die Rede ist, lese man im Buch von R. Karlsch Hitlers Bombe nach, - Gellermann informiert detailliert über Hitlers letzte Hoffnung Die Armee Wenck, - Erst zum Ende ihres Lebens hat Traudl Junge ihre Erlebnisse als Sekretärin bei Hitler (Bis zur letzten Stunde) veröffentlicht. Fest, der diese Bücher noch nicht kennen konnte, hat in knapper, angemessener Form die Inhalte sehr gut aufgegriffen.Sind 1100 Seiten zu viel? Nein, weniger ist nicht möglich! Für dieses Thema hat sich Fest schon sehr knapp gehalten, und das Wesentliche herausgearbeitet. Ich gebe M.Ostertag recht, wenn er feststellt, dass dieses Buch 50 andere ersetzt. Dieses Buch ist auch heute noch wichtig für jeden, der an unserer Geschichte interessiert ist.




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