Geschichte : Meine Arbeit im Sonderkommando Auschwitz: Das erste umfassende Zeugnis eines Überlebenden. Vorwort von Simone Veil

Meine Arbeit im Sonderkommando Auschwitz: Das erste umfassende Zeugnis eines Überlebenden. Vorwort von Simone Veil

EUR 19,95


Eine bewegende, schwer zu ertragende Lektüre über das eigentlich Unsagbare und Unaussprechliche - Auschwitz - Es ist noch so, als wäre es gestern gewesen, als ich als etwa zehnjähriger Junge etwa 1964 in der örtlichen Gemeindebücherei auf ein Buch stieß mit dem Titel Der gelbe Stern, in dem in Wort und Bild die Judenvernichtung dokumentiert war. Die Bilder waren für mich ein Schock, denn ich hatte in meiner Familie darüber bisher natürlich nichts erfahren. Außer dass der Großvater sich einem Entnazifizierungsverfahren stellen musste, wie die Mutter immer wieder entrüstet erzählte und dass die Flüchtlinge es doch so gut hätten, gab es über den Krieg und seine Folgen keine Informationen. Doch diese Bilder ließen mich nicht los, und so ist es gekommen, dass ich eigentlich bis heute mit diesem Thema nicht fertig bin und wohl auch nie fertig sein werde. Später stieß ich dann auf die Literatur der Überlebenden, die Bücher von Primo Levi, Jean Amery und anderen ließen mich immer mehr begreifen von jenem eigentlich unaussprechlichen Geschehen, von jenem Abgrund des Menschsseins, und doch hat mich jedes weitere Buch, jedes weitere Zeugnis weiter weg gebracht vom Verstehen in einem vernunftmäßigen Sinn.Was dort, wie die Überlebenden noch heute in Israel und anderswo sagen (vgl. dazu unlängst das neue Buch von Lizzie Doron, Der Anfang von etwas Schönem, Jüdischer Verlag), geschehen ist, entzieht sich auf eine eigene Weise dem Verstand und dem Herz. Und doch lässt es mich nicht los, es muss erzählt, immer wieder erzählt werden, denn wenn die Millionen Brandopfer und Vergasten vergessen werden, sterben sie noch einmal.Das vorliegende Buch nun ist in der Literatur der Überlebenden ein ganz besonderes Zeugnis. Denn zum ersten Mal berichtet einer der jüdischen Häftlinge in Auschwitz, die im sogenannten Sonderkommando bei der Tötung und Vernichtung anderer Häftlinge eingesetzt wurden. Das Zeugnis des 1923 als Sohn italienischer Eltern geborenen Shlomo Venezia, der zusammen mit 2500 anderen Mitgliedern der jüdischen Gemeinde von Saloniki Ende März 1944 in Viehwaggons nach Auschwitz gebracht wurde, ist insofern einzigartig, als die Nazis alle Juden, die in solchen Sonderkommandos eingeteilt waren, nach einiger Zeit töteten. Auf dem Transport ins Todeslager wollen Shlomo und sein Bruder aus dem Zug springen, doch die weinende Mutter hält sie davon ab. Die Mutter und die Schwestern Venezias werden sofort in den Tod geschickt, Shlomo wird dem Sonderkommando zugeteilt, wo er im Krematorium II in Birkenau die schrecklichste aller Arbeiten tun musste.Nach vielen Jahrzehnten, in denen er dann und wann von seinen Erfahrungen berichtet hat, unter anderem war er der historische Berater von Roberto Begninis Film Das Leben ist schön, legt Shlomo Venezia in einem 2006 in Paris erstveröffentlichten Buch ein Zeugnis ab von dem Unfassbaren, was er dort in den Monaten bis zur Befreiung des Lagers im Januar 1945 erlebt hat. Er erzählt in einer nüchternen Sprache, und nur die ermöglicht es ihm überhaupt, das Geschehen sprachlich zu erfassen, ohne verrückt zu werden, von dem Grauen, die Menschen, die in Waggons angeliefert werden, zu entkleiden, in die Gaskammer zu führen, danach die ineinander verkrampften Leichen zu lösen, ihnen die Haare abzuschneiden, Goldzähne zu lösen und sie dann in den Verbrennungsofen zu bringen.Ein Nachwort des Historikers Marcello Pezetti, Leiter des Shoah-Museums in Rom ordnet die persönlichen Erinnerungen Shlomo Venezias in den historischen Zusammenhang ein und gibt wertvolle Hinweise zu Shoah, Auschwitz und das Sonderkommando.Auf die Frage, was die extremen Erfahrungen in ihm zerstört haben, antwortet Shlomo Venezia am Ende des Buches:Mein Leben. Ich habe nie wieder ein normales Leben führen können. Ich konnte nie so tun, als ob alles in Ordnung wäre, und konnte nie die wie anderen tanzen oder mich unbeschwert vergnügen. Man kommt niemals wirklich aus dem Krematorium heraus.Eine Lektüre, die schwer zu ertragen ist und zeigt, dass noch immer nicht alles über jenes unsagbare Geschehen bekannt war, das sich bis in alle Ewigkeit mit dem Namen Auschwitz verbindet.

Sonderkommando Auschwitz - Ich selbst bin Mitte 30 und in einer heilen Welt aufgewachsen, ohne die geringste Vorstellung zu haben, was unsere Eltern und Grosseltern erlebt haben. Ich war schon immer an der Geschichte des dritten Reiches interessiert und habe bisher sehr viele Bücher über diese Zeit gelesen. Ich kann jedoch sagen, dass dieses Werk das mit Abstand am nahegehensden ist und war. Shlomo Venezia erzählt in einer Art und Weise die sehr sachlich ist, jedoch die unvorstellbaren Grauen die dieser Mann erlebt und vor allem überlebt hat für uns gegenwärtig macht. Dieses Buch dokumentiert Erlebnisse, die jeder Mensch auf dieser Welt lesen sollte, der diese Zeit nicht miterlebt hat um sicher zu stellen, dass so etwas nie mehr passieren kann.

Aus meiner Sicht eines der bewegendsten Bücher ! - Ein historisch eminent wichtiges Buch.Man möge mir verzeihen - aber es gibt für dieses Buch, mit dieser gewaltigen Aussagekraft, nicht die richtigen Worte um es in Kürze zu würdigen.In den Konzentrationslagern mussten die Sonderkommando-Häftlinge abgeschirmt von allen anderen die schrecklichste Arbeit erledigen die man sich überhaupt vorstellen kann.Aufs grausamste demütigend wurden praktisch nur Juden ausgewählt um das eigene Volk in den Tod zu begleiten. Danach mussten verschiedene Gruppen ihre (befohlene!) Arbeit ausführen: wie arbeiten auf der Rampe bis in den Umkleideraum, Schlepper-Dienste leisten (von den Gaskammern via Lift vor die Öfen), andere mussten die Goldzähne ausreissen, Haare abschneiden oder die Kleider etc. entfernen, die Gaskammern reinigen und für den nächsten Transport als saubere Dusche bereitstellen. Viele mussten an den Öfen arbeiten oder auch um übrig gebliebene, grössere Knochen zu zermahlen und die Asche unwiederbringlich entfernen. Oft mussten sie auch bei Erschiessungen mitanwesend sein und die Unglücklichen halten, anschliessend weg tragen und bei den Verbrennungen in den Bunkern arbeiten.Im Jahre 2008 leben nur noch 17 von diesen ehemaligen Sonderkommando-Häftlingen.Von der weitaus grösseren Menge der Konzentrationslager-Häftlinge existieren sehr gute Berichte, Biographien und Autobiographien. Aus dem Bereich Sonderkommando bestehen nur ganz wenige. Das Buch von Shlomo Venezia ist nicht der erste Bericht - aber einer der umfassendsten, nebst dem (ähnlichen) und überaus wichtigen Buch Sonderbehandlung von Filip Müller (Auschwitz I und Auschwitz II-Birkenau / leider nicht mehr erhältlich). Ich verweise auch auf meine Bibliothek/Buchtipps http://www.nestwaermer.ch/familie/hafner/bruno/shoah/shoah.html (Titel: Erlebnisberichte / Untertitel: Berichte, Interviews Thema Sonderkommando).Die Anmerkung der Ersterscheinungen sollen das im Frühjahr 2008 erschiene Buch Meine Arbeit im Sonderkommando Auschwitz von Shlomo Venezia (Auschwitz II-Birkenau) keinesfalls schmälern. Im Gegenteil. Aus meiner Sicht ist es eines der besten Bücher welches es überhaupt gibt. Eminent wichtig auch aus historischer Sicht !Shlomo Venezia schildert trotz des grossen Schmerzes an dieser traurigen Erinnerung sehr präzise. Das Buch wird begleitet von einer sehr dezenten Interview-Form. Shlomo Venezia erklärt und beantwortet alle diese Fragen sehr genau, bis sogar in für den Leser sehr schmerzliche Details. Wichtig für die Nachwelt, wichtig gegen das Vergessen. Dem Verfasser gebührt ein grosser Dank! In einem hervorragenden Schreibstil lässt einem Shlomo Venezia Einblick in diese Welt. Er berichtet ehrlich und dermassen klar, was er gesehen hat, was er gefühlt und gelitten hat. Es wird einem nicht nur klar, was damals in den Sonderkommandos geschehen ist - sondern man erfährt auch, was diese Menschen im Lager ertragen und in ihr weiteres Leben an Last mitnehmen mussten. Im Buch sind weiters ca. 8 Seiten mit Bildern (gut beschrieben). Der Buchtext wird unterstützt durch die bekannten Tusche-Zeichnungen des ehemaligen Häftlings David Olère. Zum Schluss, ab Seite 227, folgt eine sehr aufschlussreiche Zusammenfassung über die Shoah, Auschwitz und das Sonderkommando.Ich möchte das Buch allen am Holocaust Interessierten wirklich sehr ans Herz legen - aber auch warnen. Es ist keine leichte Lektüre. Auch mich (habe in meiner Shoah-Studie schon weit über 100 Berichte/Dokumentationen und Studien gelesen) - liess und lässt dieser klare, sehr sehr harte Bericht nicht einfach im Thema weiterfahren. Das Buch berührt sehr! Dazu die Schlussfrage im Buch:Was haben diese extremen Erfahrungen in Ihnen zerstört?Mein Leben. Ich habe nie wieder ein normales Leben führen können. Ich konnte nie so tun, als ob alles in Ordnung wäre, und konnte nie wie die anderen tanzen oder mich unbeschwert vergnügen ...Alles bringt mich zurück ins Lager. Was ich auch tue, was ich aus sehe, mein Geist kehrt immer wieder an diesen Ort zurück. Es ist, als hätte die Arbeit, die ich dort tun musste, meinen Kopf nie verlassen ...Man kommt nie mehr wirklich aus dem Krematorium heraus.

Aus nächster Nähe - Ein Buch, geschrieben aus nächster Nähe, jedoch mit zeitlicher Distanz.Das Buch schildert das Leben und Überleben Venezias. Es ist in Interviewform geschrieben, wobei die Fragen zurückhaltend kurz sind und Venezia beginnend mit seiner Kindheit sein Leben schildert.Sowohl durch diese Form, als auch durch die Erzählzeit, die weder plötzlich beginnt, noch plötzlich abreisst, zieht das Buch den Leser vollständig in seinen Bann. Eine mich so tief bewegende Geschichte, die jedoch auch glaubhaft die Gedanken und Beweggründe des Erzählers schildert, habe ich schon lange nicht mehr gelesen.Schwierig ist zu beschreiben, warum ich das Buch so schätze. Bei den Schilderungen eines KZ-Überlebenden verbietet es sich ja von faszienierenden Schilderungen zu sprechen. Doch ist der Detailgrad der Schilderung einfach das Einzigartige an diesem Werk, der es eben menschlich so interessant macht. Ich hoffe hiermit das richtige ausgedrückt zu haben.

Grauenvoll und doch tröstlich. Irgendwie. - Der Bericht des Shlomo Venezia verursacht schlimmste Albträume und auch bei Deutschen der zweiten und dritten Nachkriegsgeneration schwer zu ertragende Schuldgefühle, aber er erzählt auch von dem kleinen Rest Menschlichkeit im positiven Sinn, der sogar in der Hölle überleben kann.Shlomo Venezia hatte im KZ Ausschwitz-Birkenau der furchtbarsten Arbeitsplatz, den es dort gab. Er musste den Juden, die aus dem voll gepressten Zügen taumelten, die Köpfe kahl scheren und dafür sorgen, dass sie sich für die Giftduschen nackt auszogen. Nach der Vergasung zerrten er und die anderen Mitglieder das Sonderkommandos die Leichen aus den Gaskammern und stopften sie in die Verbrennungsöfen.Shlomo Venezia überlebte, wanderte nach Israel aus, heiratete, bekam Kinder. Ihnen verschwieg er seine entsetzlichen Erfahrungen, aber nach Jahrzehnten begann er zu reden. Vor Schülern, aber auch fürs Tonband einer französischen Journlistin. Ihr Buch wurde in Frankreich zum Bestseller (vielleicht weil es die Deutschen mal wieder als Verbrecher darstellt?). In Deutschland wird es das wohl nicht werden, aber meiner Ansicht nach gehört es zu den wichtigsten Büchern des Frühjahrs 2008, denn:Es zeigt erstens wie tief Menschen sinken können, wenn man ihnen Macht gibt, ihnen erlaubt, ihre scheußlichsten Instinkte auszuleben. Es zeigt zweitens, dass Bert Brecht mit seinem bitteren Bonmot Erst kommt das Fressen, dann die Moral Recht hatte. Die Juden des SOnderkommandos bestehlen sich, prügeln sich um einen Platz auf den Schlafliegen, rauben sich das bisschen Essen, das die Aufseher ihnen zugestehen, aber: Meine Arbeit im Sonderkommando Auschwitz zeigt drittens, dass nicht alle zu Unmenschen werden oder genauer gesagt:Es zeigt, dass manche ihre Menschlichkeit nur so lange vergessen, bis der schlimmste Hunger gestillt wird. Dann, so beschreibt es Shlomo Venezia ganz ohne sich zu loben, wird auch ein kleines Stückchen Brot geteilt, Schwächeren geholfen. Der wohl genetische angeborene Altruismus bricht sich wieder Bahn.Die Frage nach einer Begründung für das absolut Bösen und seinem Gegenteil stellt Shlomo Venezia nicht, aber sie ist das, was jeden nach dem Lesen dieses Buchs immer wieder beschäftigen wird. Und ihn vielleicht ein bisschen menschlicher machen.




Meine Arbeit im Sonderkommando Auschwitz: Das erste umfassende Zeugnis eines Überlebenden. Vorwort von Simone Veil